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AUFWIND
Andreas Rohde

 

 

 

 

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Aufwind

Awek di junge jorn

 

1 Klespourrie
a) Dojna · Musik: traditionell · Arrangement: Koch
b) Schtile hora · Musik: Claudia Koch · Arrangement: Koch
c) Chassidim tanz · Musik: traditionell · Arrangement: Koch/Reich/Rohde/Hermerschmidt
d) Scher · Musik: traditionell · Arrangement: Koch
e) Lechajim/Odessa bulgarisch · Text: Itzik Manger · Musik: traditionell · Arrangement: Koch / Reich

Unsere Klespourrie-Zusammenstellung entstand ursprünglich als Vorspann für eine Theaterinszenierung.

Eine Dojna ist ein Improvisationsstück in metrisch ungebundener Form. Unsere Dojna fanden wir auf einer Schellackplatte mit dem Klarinettisten Naftule Brandwein aus dem Jahr 1923.In einer anderen Quelle wird sie auchRumanian Dojna genannt.

Als Hora bezeichnet man einen rumänischen Tanz im 3/8-Takt mit rhythmischer Akzentuierung auf den 1. und 3. Schlag (sie ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen israelischen Tanz). Die Komposition unserer Hora stammt aus der Feder unserer Geigerin Claudia.

Chassidim tanz nennen wir den nächsten Teil von Klespourrie (in anderen Quellen auch "Jüdischer Tanz" oder einfach "Frejlechs" genannt). Der türkische Charakter animierte uns, diese Tanzmelodie im "Terkisch" Rhythmus zu arrangieren. Der jüdische Terkisch ist in Herkunft und Tanzform ein Import aus dem griechisch-türkischen Raum. Sein treibender Rhythmus ähnelt dem des Tango.

Die folgende Scher ist ein populärer osteuropäisch-jüdischer Tanz im 2/4-Takt, wobei das Tempo etwas langsamer als bei vergleichbare Melodien wie Bulgars oder Frejlechs ist.

Lechajim, ein Stück aus den Megille-Liedern von Itzig Manger, ist das Finale von Klespourrie. Im Text fordert der Meister seine Gesellen auf, mit dem Purimspiel zu beginnen, worauf gläserklirrend angestoßen wird. Der in das Lied eingeflochtene Odessa bulgarisch stammt von Aufnahmen des "Abe Schwartz Orchestra" von 1919.

Der alter majnsster Fonfasse
wischt op mitn tichl di bril
un sogt zu sajne geseln
fajerlech un schtil:

"Nu, chewre, fun nodl un scher,
nu, chewre, woss schtejt ez schtil?
Machtss a lechajim, chewre,
un nemt sich zum Purim-schpil !"

Blischtschen di kojssess un klingen:
"Lechajim far nodl un scher,
far Esster, der griner mazie,
un farn mejlech, dem lekisch-ber !"

majnsster - Meister; chewre - Gesellen; lechajim - Auf das Leben! (Trinkspruch); blischtschen - klirren; kojssess - Becher, Kelche; grine mazie - greenhorn; mejlech - König; lekisch-ber - Dummlack

2 In schtetl Nikolajew
Text: David Medoff · Musik: traditionell · Arrangement: Koch

Ssurele verliebt sich unsterblich in ihren Schuster. Sie feiern Hochzeit mit den besten und schönsten(!) Musikanten des Ortes. Doch diese Liebe ist nicht von Dauer, da der Schuster zum Militär einberufen wird. Ssurele kann das nicht verwinden und nimmt sich mit Gift das Leben.

Melodie und Text von Nikolajew stammen von einer alten Schellackplatte, aufgenommen im Jahr 1923. Dort wurde es von David Medoff gesungen, der auch unter dem Namen Igor Petrenkow auftrat.

In schtetl Nikolajew, lebn Schwarzn Jam,
gelibt hob ich majn Ssurele draj jor nochanand,
geljupket un geschmotschket, ich hob gefilt a tam
wen mir flegn schtejen zusamen baj der want.

Zusamen fun der arbet gegangen alemol,
ich bin gewen a schusster gearbet on a zol,
un Ssurke di modisstke hot ojf mir gewart,
got is mir an ejdess - ich hob dich nischt genart.

Sorg nit ljube majne, ich wel nor dajner sajn,
fun prisiw sich bafrajen - wesstu wern majn.
A chupe weln mir schteln in der grojsser schil,
di brochess wet unds machn der chasn Mojsche Schmil.

Di schensste mechutonim weln baj unds sajn
Jankl wodowosnik un Berke lapazan,
Welwl balagole un Jjankele podljez,
Izikl der schnajderl un Fajwl der kusnjez.

Klesmorim musikantn weln singen acht,
mir weln tanzn,schpringen a tog mit a nacht.
Noch dem weln mir essn di goldene jojch,
ojch a sissn zimess un efscher epess noch.

Der prisiw is gekumen - ich bin geworn a ssoldat,
men hot mich zugenumen, gesogt bin ich "nasch brat".
Zeschtarbt majn schejne libe, zebrochn is majn glik,
baglejt hot mir majn Ssurele mit a trojer blik.

In schtetl Nikolajew is Ssurele alejn,
nischto kejn frajnt kejn ejgene elnt wi a schtejn.
Saj gesunt majn chossn, schrajb zu mir a briw,
du solsst mich ejbik trogn in dajn harzn tif.

In a mitwoch noch der arbet is doss schrekleche geschejn,
gefunen hot men Ssurele mit farklempte zejn,
a fleschele fun ssam, in hant a briw zu mir -
"oj, saj mir mojchl, tajerer - ich benk zu schtark noch dir."

lebn - hier: neben; Ssurele/Ssurke - Kosenamen von Sarah; geljupket un geschmotschket - gekuschelt und geschmust; modisstke - Näherin; ejdess - Zeuge; prisiw - militärische Zwangseinberufung; chupe - Traubaldachin; broche - Segen, Segensspruch; chasn - Vorsänger, Kantor; mechutonim - angeheiratete Verwandte; wodowosnik - Wasserträger; lapazan - Taugenichts; balagole - Kutscher; podljez - Verbrecher; kusnjez - Grobschmied; goldene jojch - Goldsuppe (Hühnersuppe mit Safran, zur Hochzeit); zimess - Zuspeise; efscher - vielleicht; "nasch brat" - unser Bruder (russ.); chossn - Bräutigam; ssam - Gift; mojchl sajn - verzeihen, vergeben; benken - sehnen

3 Jidisch tango
Text: anonym · Musik: traditionell · Arrangement: Koch / Hermerschmidt

Spielt mir einen Tango in Jiddisch - den Tango eines vertriebenen und verstreuten Volkes - auf daß die Großmutter und die Kinder danach tanzen. Spielt mir einen Tango der nicht arisch und barbarisch ist, damit die Feinde sehen, daß ich noch tanze. Spielt mir einen Tango vom Frieden, der kein Traum bleiben soll, auf daß Hitler und sein Reich im Erdboden versinkt. Oh, wird das ein Tanz für euch!

Ebenso wie "Muess" (Titel 8) befindet sich dieses Lied in dem Buch "Lider fun getos un lagern", veröffentlicht 1948 von Schmerke Kaczerginski. Die Melodie wurde bekannter mit dem Text und Titel "Schpil ssche mir a lidele in jidisch".

Schpil-ssche mir a tango ojss in jidisch,
Sol doss sajn missnagdisch oder chassidisch.
As di bobele alejn sol kenen doss farschtejn
Un take a tenzele gejn.

Schpil-ssche mir a tango ojss fun plejtim,
Fun dem folk zesejtn un zeschprejtn,
As kinder, grojss un klejn, soln kenen doss farschtejn
un take a tenzele gejn!

Schpil, schpil, klesmerl, schpil -
Wi a jidisch harz hot gefil,
Schpil mir a tenzele, oj schpil,
Schpil, ich bet dich, mit neschome, mit gefil.

Schpil-ssche mir a tango, nor nit arisch,
Sol doss sajn nit arisch, nit barbarisch,
As di ssonim soln sen, as ich noch tanzn ken
Un take a tenzele mit bren !

Schpil-ssche mir a tango ojss fun scholem,
Sol doss sajn a scholem nit kejn cholem,
As hitler mit sajn rajch oj di kapore glajch...
Oj wet doss sajn a tenzele far ajch !

Schpil, schpil, klesmerl, schpil ...

missnagdisch - nicht chassidisch; bobe - Großmutter; take - sogar; plejtim - Vertriebene; zesejtn un zeschprejtn - verstreut; neschome - Seele; ssonim - Feinde; scholem - Frieden; cholem - Traum; oj di kapore glajch - soll im Erdboden versinken

4 Bajm rebn in Palestine/Terkisch jale w'jowe tanz
Musik: traditionell · Arrangement: Koch / Reich / Rohde / Hermerschmidt

Die Hora "Bajm rebn in Palestine" stammt von Aufnahmen der BRODER KAPELLE aus dem Jahr 1929. Wir fügten in das Stück einen Improvisationsteil ein und verbanden es mit dem Terkish jale w' jowe tanz (Brandwein-Aufnahme von 1923). Wie der Name schon andeutet ein Terkish, den wir teilweise mit 7er und 9er Takten rhythmisch veränderten.

5 Huljet, bejse wintn
Text: Abraham Reisen · Musik: Michel Gelbart · Arrangement: Koch / Rohde

Ein Lied über die "bösen Winde", die starken Stürme, die die Felder verwüsten, die Vögel vertreiben und die Häuser zerstören. Ihr Stürme, jetzt ist eure Zeit. Der Winter wird noch lange dauern, der Frühling ist noch weit.

Der Poet Abraham Reisen wird auch als der "Heinrich Heine der jiddischen Sprache" bezeichnet. Sein Lied, ursprünglich "Zum winter" genannt, entstand unter dem Eindruck des harten Winters im Jahre 1900. Jüdische Arbeiter veränderten 1904/5 die letzten Zeilen in hoffnungsvollere: "lang wet dojern nit der winter, friling is nit wajt". Ebensolches ist aus dem Warschauer Ghetto überliefert.

Huljet, huljet, bejse wintn,
Fraj baherscht di welt!
Brecht di zwajgn, warft di bejmer,
Tut woss ajch gefelt.

Trajbt di fejgl fun di felder
Un farjogt sej fort;
Di woss kenen wajt nit flien,
Tejt sej ojfn ort.

Rajsst di lodn fun di hajslech,
Schojbn brecht arojss;
Brent a lichtl ergez tunkl,
Lescht mit zorn ojss!

Huljet, huljet, bejse wintn,
Izt is ajer zajt!
Lang wet dojern der winter
Friling is noch wajt...

huljen - sich austoben

6 Schojn awek der nechtn
Text und Musik: traditionell · Arrangement: Koch / Reich

Das Gestern ist schon fort, das Morgen noch nicht da, es ist nur das bißchen Heute da. Darum stört es nicht mit Sorgen. Trinkt noch einen solange ihr am Leben seid, denn in der kommenden Welt wird man euch -so Gott will- nichts geben.

Die Gesellschaft für Jüdische Volksmusik in Petrograd publizierte das Lied als anonymes Volkslied im Jahre 1917. Textliche und melodische Passagen lassen auf einen chassidischen Ursprung schließen.

Schojn awek der nechtn, noch nito der morgn,
Ess is noch geblibn a bissele hajnt - to lomir sich nischt sorgn.

Chapt arajn a schnepssl, kol-sman ir sent bajm lebn,
Im jirze-haschem ojf jener welt - wet men ajch nischt gebn.

awek - vorbei, fort; nechtn - gestern; chapn - schnappen, schnell greifen; kol-sman - solange; im jirze-haschem - Wille Gottes

7 Don un Donje
Text: H. Roisenblat · Musik: Michel Gelbart · Arrangement: Koch

Don hat zwei schwarze Schläfenlocken und ist der beste Schüler der Schule, in die er jeden Tag geht. Donje hat zwei goldene Zöpfe und wird die Königin der Steppe genannt, in die sie jeden Tag eine Herde Schafe treibt. Die Beiden begegnen sich jeden Morgen, erröten, und schlagen verschämt die Augen nieder. Wenn Don dann in der Schule sitzt, verschwimmen die Buchstaben zu einer Herde Schafe. Und wenn Donje ihre Schafherde betrachtet, muß sie immerfort an die gelockten schwarzen Haare von Don denken.

Dieses lyrische Liebeslied fanden wir wie "Huljet, bejse wintn" (Titel 5) in einer amerikanischen Liedersammlung von Joseph und Eleanor Chana Mlotek. Es soll früher nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa populär gewesen sein.

Don hot zwej pejelech schwarze,
Donje zwej goldene zep,
Don is der ile fun Schtetl
Donje di malke fun sstep.

Don gejt baginen in klejsl,
doss ojg halb farchmaret fun schlof.
Donje mt sun ojf di bremen
zum sstep trajbt arojss ire schof.

Don bagegnt di passtuschke
un lost schtil di ojgn arop,
Donje farschemt tut a schmejchl,
un lost schtil arunter dem kop.

Don sizt bajm lernen un ss´zit sich
der tog epess lang on a ssof.
Ss´ducht im der blat is a lonke
di ojssjess - a tscherede schof.

Donje si hit sich ir sstade
gekrejslte lemer, un tracht:
Epess fun pejelech schwarze
gekrejslte, schwarz wi di nacht.

Don gejt togteglech in klejsl,
Donje togtegech in sstep,
Don hot zwej pejelech schwarze,
Donje zwej goldene zep.

pejelech - Schläfenlocken;ile - junges Genie; malke - Königin; klejsl - Bethaus; farchmaret - verschleiert; bremen - Augenbrauen; sstep - Steppe; passtuschke - Hirtin; schmejchl - lächeln; ssof - Ende; lonke - Wiese; ojssjess - Buchstaben; tscherede - Herde; sstade - Herde; gekrejslt - gelockt; trachtn - nachdenken

8 Muess
Text und Musik: anonym · Arrangement: Reich

Muess - Geld ist doch die beste Sache. Der Judenrat nimmt von uns Steuern, aber zu essen bekommen wir nur Brot und Zucker. Zu hause habe ich Orangen gegessen, heute essen mich die Läuse und Wanzen auf. Auch jüdische Polizisten kann man bestechen, um nicht ins Lager zu kommen. Wenn du also kein Geld hast, gib deine Lebensmittelkarte ab und laß dich im Buch der Legenden verewigen.

Durch die Zusammenarbeit mit der New Yorker Sängerin und Schauspielerin Adrienne Cooper lernten wir "Muess"kennen. Im Buch "Lider fun getos un lagern", steht zu dem Lied: gesungene kupletn in Warschewer geto ojf dem jidn-rat (forsizer Tscherniakow), ojf der jidischer polizaj un ojf andere aktuele temen. Hinter dem freundlichen Swing und dem eingeworfenen Schtiler Bulgar verbirgt sich ein bitterböser und ironischer Text.

Muess is di erschte sach.
Hosstu nit kejn muess, is tsu dir a klog,
Gib awek di bone un sog a gutn tog.
Muess is di besste sach.

Muess is di besste sach.
Di jidische gemine nemt fun unds danine
Un git doch unds tsu essn brojt mit ssacharine.
Muess is di besste sach.

Muess is di besste sach.
In der hejm hob ich gegessn pomerantsn,
Hajnt essn mich ojf di lojss mit di wantsn.
Muess is di besste sach.

Muess is di besste sach.
Der jidischer politsjant- er is doch a lobus,
Setst ajch ojf der maschine un schikt awek in obus.
Muess is di besste sach.

Muess is a gute sach.
Hosstu nit kejn muess, hob jach far dir a plan-
Gib awek di bone un rik sich in pinkertss kesstele aran.
Muess is an ejdele sach.

Muess - Geld; bone - Lebensmittelkarte (wer sterben sollte, konnte die "Bone" abgeben); gemine - Gemeindeverwaltung; danine - Steuern; lobus - Wildfang; obus - Lager; pinkertss kesstele - Buch der Geschehnisse.

9 Fun taschlich
Musik: traditionell · Arrangement: Koch / Reich / Hermerschmidt

Ob Fun taschlich mit dem Taschlich Ritual zu Rosch ha Schana, dem symbolischen Sündenabwaschen durch das Taschen ausleeren am fließendem Wasser zu tun hat, ist nicht gesichert. Die Melodie stammt von einer Brandwein-Aufnahme vom 18.Februar 1926. Wir krempelten statt unserer Taschen die Melodie um und unterlegten sie mit Dojna zum Improvisieren, Hora zum Schwingen und schnellen Rhythmen zum Tanzen.

10 Majn rue-plaz
Text und Musik: Morris Rosenfeld · Arrangement: Koch

Such mich nicht, wo Mirten grünen, Vögel singen, oder Fontänen spritzen. Dort wirst du mich nicht finden. Wo Leben an Maschinen verwelken, Zähne knirschen und Ketten klirren ist mein Ruheplatz. Und liebst du mich wirklich, dann komm zu mir und mach ihn mir süß, diesen Ruheplatz.

Morris Rosenfeld (1861-1923) war russischer Jude und wanderte 1886, in der Zeit der Massenemigration osteuropäischer Juden, nach Amerika aus. Dort verdiente er sein Geld als Konfektionsarbeiter. Einige Texte des Arbeiterdichters sind sehr populär geworden. Sein Lied Majn rue-plaz ist seit Gründung von Aufwind im Repertoire

Nit such mich wu di mirtn grinen,
Gefinsst mich dortn nit, majn schats.
Wu lebnss welkn baj maschinen,
Dortn is majn rue-plats.

Nit such mich wu di fejgl singen,
Gefinsst mich dortn nit, majn schats.
A schklaf bin ich, wu kejtn klingen,
Dortn is majn rue-plats.

Nit such mich wu fontanen schpritsn,
Gefinsst mich dortn nit, majn schats.
Wu trern rinen, tsejner kritsn,
Dortn is majn rue-plats.

Un libsstu mich mit warer libe,
To kum tsu mir majn guter schats.
Un hajter ojf majn harts, doss tribe,
Un mach mir siss majn rue-plats.

mirtn - Myrthen; trern - Tränen; zejner krizn - Zähne knirschen

11 Awek di junge jorn/Dojna/Gassn-nign
Text und Musik: traditionell · Arrangement: Koch

Über die Berge kommen Tauben geflogen und genauso schnell, wie sie hergeflogen kommen, fliegen sie wieder davon. Genauso schnell sind auch meine jungen Jahre fortgeflogen. Ich fordere meine Brüder auf, mir die Pferde vor den Karren zu spannen, damit ich meinen jungen Jahren nachreisen kann. Auf einer großen, breiten Brücke erreiche ich sie, und flehe sie an, wenigsten für einen Moment zu mir zurückzukehren. Doch die jungen Jahre erwidern: Nein, wir kehren nicht zurück. Du hättest uns in deiner Jugend nicht so vergeuden sollen.

Bei einer ukrainischen Frau in Odessa, wo wir im Sommer 93 übernachteten, hörten wir das Lied, das der Platte ihren Titel gab. Die Frau sang es im Glauben, daß es ein bekanntes ukrainisches Lied sei. Ohne es zu wissen, sang sie neben Ukrainisch auch Jiddisch. Dies inspirierte uns, den Text anfangs in Jiddisch, und am Ende in Ukrainisch zu singen. Die ukrainische Version fanden wir bei der aus der Ukraine stammenden und seit 1932 in Kanada lebenden Sängerin Mariam Nirenberg. Eine sprachkundige Freundin half uns bei der Rekonstruktion des Textes. Die Dojna und der Gassn-nign sind aus der Sammlung des sowjetischen Ethnologen Mojsche Beregowski

Afn barg, ibern barg,
Flien tojbn, porn,
Ich hob noch gor kejn nachess nit gehat,
Awek majne junge jorn.

Schpant mir brider, di kare ferd,
Lomir lojfn, forn,
Efscher wel ich noch konen umkern
Majne junge jorn.

Ich hob bagegnt majne junge jorn
Afn brajtn brik.
Jorn, junge, kert sich um
Far ejn ojgnblik.

Nejn, nejn, nejn, mir weln nit gejen,
´ss is nito far wemen.
Hosstu gesolt jungerhejt
Asoj unds nit farschemen.

awek - vorbei, fort; nachess - Freude; kare ferd - schwarzes Pferd; lomir - laßt uns; efscher - vielleicht; brik - Brücke;jungerhejt - in der Jugend; farschemen - beschämen

 

Inhaltsangaben, Übersetzungen und Transkription der Liedtexte:
© 1996 Claudia Koch, Andreas Rohde, Hardy Reich mit Michael Wex und Henry Sapoznik

Anmerkungen zu den Stücken:
© 1996 Andreas Rohde

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