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03.07.2017

 

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AUFWIND
Andreas Rohde

 

 

 

 

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Aufwind inejnem

 

Laßt uns alle zusammen bis zum Morgengrauen feiern und singen. Hebt den Becher mit Wein und laßt uns lustig und fröhlich sein. Denn wenn man fröhlich ist, ist man ein König.

Dieses Lied fanden wir in "Antologia: jewreiskaja narodnaja pesnja", erschienen 1998 in St. Petersburg, welches Claudia von einer Studienreise aus Kiew / Ukraine mitbrachte. "Ukraine" heißt auch das eingefügte Instrumentalstück; wir hörten es auf einer Aufnahme aus dem Archiv eines Hamburger Kollegen. Die einleitende Dojna stammt aus der Feder von Claudia.

Lomir ale inejnem, inejnem,
nit schemen sich far kejnem,
nit schemen sich far kejnem.
Lomir ale lusstik, frejlech sajn.

Lomir ale lusstik sajn,
frejlech sajn, lebedik sajn.
Huljen bisn wajssn tog arajn!

Lomir sich zusingen, zusingen,
as lider soln klingen,
as lider soln klingen,
un hilchn in der wajter welt arajn.

Un as ess is unds frejlech, 'ss is frejlech,
is jeder mentsch a mejlech,
is jeder mentsch a mejlech,
hecher hejbt dem becher ful mit wajn!

inejnem - zusammen; frejlech - fröhlich; hilchn - klingen, tönen; zusingen - miteinander singen; huljen bisn wajssn tog arajn - feiern, zechen bis zum nächsten Tag; mejlech - König; hecher - hoch

2 A majssele
Text: Benjamin Jankew Bialostotski (1893-1962)
· Musik: Michel Gelbart (1889-1962) · Arrangement: Koch / Reich

Am Himmel schwimmt eine Wolke, aber das ist nur eine kleine Geschichte, denn du bist ja meine Wolke. Vom Himmel fällt ein Regen und macht den Tag dunkel, aber wenn du da bist wird es wieder hell. Und es steht eine Mühle, deren Flügel drehen sich und machen sschu-sschu. Aber das was mich bewegt bist du. Denn du bist ja mein Mädchen / Junge.

Dem Berliner Schriftsteller und Übersetzer Jürgen Rennert haben wir viel zu verdanken. Neben vielen Anregungen und Ermutigungen bekamen wir zwei Liederbücher, die eine Vielzahl uns unbekannter Lieder enthielt. A majssele entnahmen wir "Lomir kinder singen", einem 1970 bei "Kinderbuch Publications" in New York erschienenen Liederbuch.

In himl schwimt a wolkndl,
a wolkndl on ru...
Je wolkndl, nit wolkndl -
doss is doch blojs a majssele,
a zigele a wajssele...
doss wolkndl bisstu.

Fun himl falt a regndl,
ess macht der tog sich zu...
Je regndl, nit regndl -
doss is doch blojs a majssele,
a zigele a wajssele...
doss regndl bisstu.

Ess schloft in feld a sangele,
a sangele lju-lju...
Je sangele, nit sangele -
doss is doch blojs a majssele,
a zigele a wajssele...
doss sangele bisstu.

A mil, a mil a milchele,
un fliglen fir sschu-sschu...
Je milchele, nit milchele -
doss is doch blojs a majssele,
a zigele a wajssele...
doss milchele bisstu.

A wolkndl, a regndl,
Oj mach di ojgn zu...
nit wolkndl, nit regndl,
nit sangele, nit milchele.
Nit zigele nit wajssele -
majn mejdele/jingele bisstu.

:majssele - Geschichte; a zigele a wajssele - eine weiße Ziege; sangele - Ähre; mil - Mühle; fliglen - Flügel

3 Hora / Tanz Istanbul
Musik: traditionell
· Arrangement: Reich

Als Hora bezeichnet man einen rumänischen Tanz im 3/8-Takt mit rhythmischer Akzentuierung auf den ersten und dritten Schlag. Unsere Hora hörten wir auf einer Kassette des Klarinettisten Bernie Marinbach, die wir in Israel kauften.
Tanz Istanbul stammt von einer Aufnahme des berühmten Klarinettisten Dave Tarras (1897-1989) mit Abe Ellstein's Orchestra vom 19. Dezember 1940. Das Stück wurde auch unter dem Titel Shifra tanzt veröffentlicht. Ob es sich um eine Komposition von Tarras, eine überlieferte Melodie, oder einer Mischung aus Beidem handelt, ist unklar.

 

4 Jingele nit wejn
Text: Jacob Jacobs (1890-1977) · Musik: Abraham Ellstein (1907-1960) · Arrangement: Reich

Ein Vater kam mit seinem Sohn in ein fremdes Land. Der Junge sehnte sich sehr nach seiner Mutter, die auf der anderen Seite des Meeres verblieben war. Der Vater versuchte seinen Sohn zu trösten; er wird ihn beschützen und immer bei ihm bleiben und ihn selbst für alles Geld der Welt nicht hergeben.

Eine Tonaufnahme dieses Liedes hörten wir auf einer Schallplatte von Seymour Rechtzeit (1912-2002), erschienen beim Label Victor Records. Die Notenausgabe dieses Liedes erwarben wir für 30 cent in New York, wo sie 1942 im Verlag Henry Levkovic erschienen ist.


A trojerik bild hob ich gesen,
woss ich ken ess nit fargessn, nejn,
a man a fremder noch in land,
hot gefirt sajn kind baj der hant.

Doss kind hot geschrign, as er will sajn mamen,
un di mame is farblibn ojf jener sajt jamen.
Der tate hot gezertlt, gewejnt un geklogt
un zu sajn kind gesogt:

Jingele nit wejn,
ich wel dich kejnmol farlosn, nejn.
'ch wel dich hitn minasstame,
sajn dajn tate un dajn mame.
Un sen dir sol kejn schlechtss geschen.

Jingele nit wejn,
wajl ich hob nit kejnem 'ch hob nor dich alejn,
ich bin grejt far dir zu gebn,
majn neschome un majn lebn,
as dir sol kejn schlechtss geschen.

Ejner hot miljonen
un fun dem alejn er kwelt,
ich wel dich nit ojssbajtn
far ale miljonen in der welt.

Jingele nit wejn,
ich ken dajne trern mer nit zusen,
mir sol sajn far dajn lib herzele
woss is umschuldik un rejn,
nit wejn majn jingele, nit wejn.

jam - Meer; minasstame - natürlich, selbstverständlich; grejt - bereit; neschome - Seele; kwelt - sich freuen; ojssbajtn - austauschen

5 Kezl
Musik: traditionell · Arrangement: Koch

Der jüdische Ethnologe Mojsche Beregowski (1892-1961) leitete in Kiew von 1928 bis nach dem 2. Weltkrieg verschiedene Forschungseinrichtungen zu jüdischer Musik und Literatur. Seine Sammlung "Jewreiskaja narodnaja instrumentalnaja musika" (erschienen 1987 in Moskau) beinhaltet zahlreiche Stücke, die Beregowski auf Forschungsreisen in der Ukraine selbst aufgezeichnet hat.
Statt
Kezl (Kätzchen) könnte das Stück auch Puzzle oder Mosaik heißen, ist es doch aus Teilen verschiedener Stücke dieser Sammlung zusammengesetzt.

 

6 Schpil gitar
Text und Musik: Samuel Jakowlewitsch Pokrass (1894-1939)
· Arrangement: Reich

Spiel die Gitarre, bis die Saiten reißen und meine Sorgen aufhören, bis ich betrunken bin und alles vergesse. Wozu sich Sorgen machen über den morgigen Tag, füllt die Gläser, denn mit dem Wein vergeht der Schmerz.

Die - bislang - 3 Liedersammlungen "Mir trogn a gezang", "Pearls of Yiddish Song" und "Songs of Generations", herausgegeben von Joseph und Eleanor Chana Mlotek beinhalten bekannte, wie auch unbekanntere Lieder gleichermaßen. Schpil gitar aus letzterem Buch ist die Übersetzung des russischen Liedes tschto mnje gore von Samuel Jakowlewitsch Pokrass. Der Übersetzer ins Jiddische ist unbekannt.

Schpil gitar bis majn zar wert ojfhern,
soln plazn di sstruness on a zol.
'ch wil mit wajn un schampajn schiker wern,
un fargessn woss gewen is a mol.

Zu woss-ssche sorgn farn morgn,
fil dem becher on mit wajn,
hejb dem becher hecher, hecher,
in dem wajn fargejt der pajn.

Di zigajner sej ruen un schlofn,
un men hert schojn kejn lidl nischt mejn.
Nor kol-sman 'ss is faran wajn a tropn,
is doss lebn un der tojt schojn alz ejnss.

Alt un schwach, on a dach, is farblibn
a zigajner, a held, ganz alejn.
Ferdlech ganwenen, mejdlech fil libn,
er flegt singen doss lid asoj schejn .

zar - Leid, Sorge; sstruness - Saiten; schiker - betrunken; kol-sman - solange; faran - vorhanden; ganwenen - stehlen

7 Der winter
Text und Musik: Mark Warschawski (1848-1907) · Arrangement: Koch

Der Winter ist da. Wie selbstverständlich macht er sich überall breit, fegt durch die Täler und Wälder und überzieht das Land mit Schnee. Faßt mich unter Kinder, mir fehlt die Kraft für diese Kälte.

Mark Warschawski, aus einer angesehenen Familie stammend, studierte in Odessa Jura und arbeitete als Anwalt. Neben dieser Tätigkeit begann er Lieder zu schreiben, die schnell so populär wurden, daß seine erste gedruckte Liedersammlung bereits den Titel "Jidische folkslider" trug. Diese Popularität steigerte sich noch, als er gemeinsam mit Scholem Alejchem (1859-1916) - heute bezeichnet man ihn als Klassiker der jiddischen Literatur - Vortragsabende gab. Warschawski trug seine Lieder vor und Alejchem las aus seinen Werken.
Das auf das Lied folgende Instrumentalstück hörten wir auf einer Aufnahme rumänischer Sinti und Roma.

Oj, helft mir, kinder, unter,
kejn kojchess is nischto!
Gekumen is der winter
der winter is schojn do!

Er fregt kejnem kejn dejess,
er kumt zu sich ahejm,
mit wajsse bord un pejess,
mit der wajsser, groer brem.

Durch tol un welder jogt er,
gehojkert zu der erd;
Mit sich a besem trogt er
un kert, un kert, un kert...

Mit schnej gebet di felder,
farfrojrn schtejt der wald;
di felder un di welder
sej brumen: kalt, 'ss is kalt!

kojchess - Kraft, Stärke; dejess - Meinung, Ansicht; pejess - Schläfenlocken; brem - Augenbraue; gehojkert - gebückt; gebet - gepolstert, überzogen

8 Ess singt sich nit
Text: Mark Warschawski (1848-1907) · Musik: unbekannt · Arrangement: Koch

Die fröhlichen Lieder scheinen verstummt zu sein. Das Leben wird immer schwerer und bitterer, mein Herz scheint zu zerspringen. Es gibt nichts mehr zu singen.

Die Zusammenarbeit von Warschawski und Alejchem steuerte schnell auf größere Erfolge zu, doch 1905 erkrankte Warschawski plötzlich schwer und starb nach zwei Jahren im Krankenbett völlig verarmt. Sein genaues Todesdatum ist unbekannt.
Das einrahmende Instrumentalstück stammt aus der Sammlung von Mojsche Beregowski.

Oj entfert mir, ich bet ajch sejer
ess wert farschtumt di frejleche lider.
Doss lebn kumt on asoj schwer,
doss harz wert takisch mir zeschprungen.

I do i dortn trit sich blut,
zi wert farschtumt ir frejleche lider.
Doss lebn is farbitert brider
ess singt sich nit, ess singt sich nit.

entfern - antworten; asoj - so; takisch - wirklich; i do i dortn - hier und dort

9 Aj lajk schi
Text: Jacob Jacobs (1890-1977) · Musik: Alexander Olschanetski (1892-1946) · Arrangement: Koch

Ich bin so in sie verliebt, daß mein Herz kocht, mir schwindlig ist und Lunge und Leber in mir tanzen. Sie ist wie ein Vöglein und meine blühende Blume, ohne sie kann ich nicht leben. Einmal träumte ich so lebhaft von ihr, daß ich mich an sie kuschelte und sie küßte, doch ich erwachte neben meiner Katze. Ich liebe sie und das ist alles.

Aj lajk schi hörten wir auf einer Kassette des Sängers Aaron Lebedeff (1873-1960), erschienen im Jahr 1973 bei Greater Recording. Lebedeff war sowohl ein erfolgreicher Liederschreiber, als auch ein ausdrucksstarker Sänger.

Ich bin an opgekochter, doss se ich schojn akorscht,
baj mir in harzn sid ess wi a galizianer borscht.
Ess schwindlt in di ojgn, der kop wert asoj dil
un majn lung un leber tanzn a kadril.
Si is wi a fejgele woss flit,
si is doch majn blimele woss blit.

Oj, aj lajk schi, oj, aj lajk schi,
si 's majn glik, si 's majn schtrebn.
On ir ken ich gor nischt lebn,
in harzn burtschet alemol.
Ire fisslech, ire sokn - I tell you people it 's no use tokn,
aj lajk schi - un "detss ol!"

Lejg ich mich nor schlofn, cholem ich fun ir,
un mir dacht sich as si sizt schojn noent lebn mir.
Ich fang si on zu kuschn, ich ruf si liber schaz,
ich chap mich ojf derse ich as ich kusch di schwarze kaz.
Ssaj in cholem un ssaj ojf der wach,
wejsst ir libe frajnt nor ejn sach.

Ich sog ajch mentschn do benimess,
si is geschmak wi a mern-zimess,
aj lajk schi - un "detss ol!"

aj lajk schi - I like she; opgekocht - abgebrüht; akorscht - erst einmal; sid - sieden; burtschet - knurren, brummen; tokn - reden, engl. von talk; cholem - träumen; noent lebn - nah bei mir; chap mich ojf - heranmachen; benimess - höflich, im Vertrauen; mern-zimess - Möhreneintopf

10 Kaschtnbojm
Text: Jitzchok Perlow (1911-1980) · Musik: Lola Folman (1908-1979) · Arrangement: Koch

Eine Mutter hatte einst eine Tochter mit schönen blonden Haaren. Das Mädchen wuchs heran und war mit 16 Jahren sehr ansehnlich geworden. Aber auch die Mutter war erst 42 Jahre und noch sehr schön. Am Abend umkreisten junge Burschen das Haus und riefen zur Tochter lockende Verse hinauf. Die Mutter glaubte, sie wäre gemeint, machte sich hübsch und wollte die Tochter schlafen schicken. Doch diese entgegnete, daß sie kein Kind mehr sei und die Burschen nach ihr riefen. Da legte sich die Mutter schlafen und an ihr Fenster klopfte der Kastanienbaum und sagte: Als du jung warst blühte ich für dich, heute aber für deine Tochter.

Der Kaschtnbojm stammt wie Schpil gitar aus dem Liederbuch "Songs of generations". An dessen Herausgeber wurden das Lied von einem Mann übermittelt, der Lola Folman mit diesem Lied nach dem 2. Weltkrieg in einem DP Camp in Deutschland hörte, wo sie zusammen mit ihrem Mann Jitzchok Perlov auftrat.

A mame hot a techterl,
a techterl gehat,
schejne blonde herelech
hot doss kind gehat.
Si sizt un nejt a klejdele,
si sizt un nejt un trojmt,
doss epele, doss epele,
falt nischt wajt fun bojm.

Ess zien sich di jorelech.
Doss lebn gejt sajn gang,
doss techterl derwakssn schojn -
si is ojch schejn un schlank.
Di mame, zwej un ferzik jor,
is noch jung un tojg,
doss techterl schojn sechzn jor
un hot schojn fil derfolg.

Ess drejen sich bochurimlech
In drojssn baj ir hojs,
singen schejne lidelech,
un rufn ir arojss:
"Kum arojss majn libinke,
wu 'ss blit der kaschtnbojm,
ich bin dajn un du bisst majn
un nor fun dir ich trojm."

Di mame mejnt doss ruft men ir,
si lojft zum schpigl wi a hos;
doss techterl farrojtlt sich
un lost arop di nos.
"Kinder musn schlofn gejn,
in drojssn wojen hint."
"Mame, 'ch bin nischt schleferik,
'ch bin nischt mer kejn kind."

Di mame gejt in schlofschtub arajn
un lejgt sich glajch in bet,
hert si wi der kaschtnbojm
klapt in schojb un redt:
"Ich hob a mol far dir geblit
wen du bisst jung gewen,
hajnt bli ich far dajn techterl,
wajl si is jung un schejn."

jorelech - Jahre; tojg sajn - zu etwas taugen; derfolg - Erfolg; bochurimlech - Jünglinge; arojss - heraus; kaschtnbojm - Kastanienbaum; trojmen - träumen; hos - Hase; farrojtln - erröten; nos - Nase; in drojssn wojen hint - draußen bellen Hunde; klapn - hier: klopfen; schojb - Scheibe; hajnt - heute

11 Dobranoc / Frejlechss
Musik: traditionell
· Arrangement: Koch

Beide Instrumentalstücke fanden wir in der Sammlung von Mojsche Beregowski. Dobranoc bedeutet ´Gute Nacht' und ist Begrüßungsmelodie einer Feier der Braut mit weiblichen Verwandten und Freundinnen am Schabbes vor dem Hochzeitstag. Auch der Frejlechss ist Teil einer traditionellen jüdischen Hochzeitsfeier.

 

12 Er hot nischt
Text: Patsy Abbot · Musik: Ben Jaffe · Arrangement: Koch

Ich gehe über den Markt, schau mir die Stände an, will aber nichts kaufen. Alles fasse ich an, die Birnen und die Seide, aber wenn der Verkäufer kommt, sage ich nur: Du hast nicht das, was ich brauche und was ich will. Was du hast, das brauche ich nicht und was ich will, das sehe ich nicht. Ich bin nicht mehr ganz jung und meine Mutter drängt mich zum heiraten. Da gibt es auch einen passenden Burschen. Leider hat er außer Geld nichts in der Hose. Er hat nicht das, was ich brauche um zur Frau gemacht zu werden und was er hat, darüber kann ich nur lachen.

Nach einem Konzert in Frankreich lernten wir Abraham Lichtenbojm, den Leiter des YIVO Instituts in Buenos Aires kennen. Als sich einige Zeit später die Gelegenheit ergab, besuchten wir ihn dort im Institut. Er übergab uns eine Kassette mit Liedern, die wir bisher noch nicht zu hören bekamen: "Jiddische Lieder, die mir Mutter nie beigebracht hat", von Patsy Abbot, erschienen als Schallplatte in den 60er Jahren.

Er hot nischt woss ich darf,
er hot nischt woss ich wil,
wajl woss er hot doss darf ich nischt
un woss ich darf doss hot er nischt,
woss er ken doss wil ich nit
un woss ich wil doss ken er nischt,
er hot nischt nejn er hot nischt woss ich darf.

Wu 'ss is do woss felt, dort gej ich lojfn,
ich gej nor onkukn, nischt zu kojfn,
alzding glajch is zum tapn
baj di barn, baj der sajd,
ober hert - kumt mir zu der ssaless-man,
sog ich zu sajn zu frajnd.

Du hosst nischt woss ich darf,
du hosst nischt woss ich darf,
wajl woss du host doss darf ich nischt
un woss ich darf doss hosstu nischt,
woss ich sej doss wil ich nischt
un woss ich darf doss sej ich nischt,
er hot nischt, nejn er hot nischt woss ich darf.

Ich bin schojn a mejdl in di jorn,
majn mame sogt ess is schojn zajt zu porn,
'ch hob a bocher, er is ongeschtarbt,
mentschn sogn er gefelt, ober wi -
ongeschtarbt in di hojsn,
hot er zufil geld.

Er hot nischt woss ich darf,
er hot nischt woss ich darf,
woss er hot doss wil ich nischt
un woss ich darf doss hot er nischt,
'ss is do epess gib a kuk,
baj mir 'ss is nischt genug
er hot nischt, nejn er hot nischt woss ich darf.

Ir wejsst oj mentschn woss ich lach,
ich lach a boj woss hot a sach,
er hot nischt woss ich darf,
zu gebn mir - a wajb.
er hot nischt, nejn er hot nischt woss ich darf.

darfn - brauchen; tapn - anfassen, fühlen; barn - Birnen; sajd - Seide; ssaless-man - Verkäufer, engl. von ´sale´; zu sajn zu frajnd - zu seiner Freude: porn - paaren, heiraten; bocher - Junge; ongeschtarbt - halbtot, abgestorben; hojsn - Hosen; epess - etwas

13 Lejg dajn kop
Text: Halper Lejwik (1888-1962) · Musik: L. Birnow · Arrangement: Koch

Schlaflied.

Diesem Lied begegneten wir erstmals in der ostdeutschen Lyrikreihe "Poesiealbum". Das Heft 166 aus dem Jahre 1981 enthielt Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger (1924-1942) und deutsche Nachdichtungen von ihr aus dem Jiddischen. Das jiddische Original fanden wir in "ale werk" von Halper Lejwik, erschienen 1925 im Vilna Verlag.

Lejg dajn kop ojf majne kni,
gut asoj zu lign.
Kinder schlofn ajn alejn,
grojsse darf men wign.

Kinder hobn schpilechlech,
schpiln wen sej wiln.
Grojsse schpiln nor mit sich,
musn ejbik schpiln.

Hob nit mojre,ich bin do,
'ch wel dich nit farschtojssn.
Hosst genug gewejnt schojn hajnt,
wi ess passt a grojssn.

Ongewejnt un ongeklogt,
ich wel dich farwign.
Lejg dajn kop ojf majne kni,
gut asoj zu lign...

mojre - Angst

 

Transkription der Texte und Worterklärungen:

© 2002 Claudia Koch / Hardy Reich / Andreas Rohde

Inhaltsangaben und Anmerkungen:
© 2002 Andreas Rohde

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