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1998-2017
AUFWIND
Andreas Rohde

 

 

 

 

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MODNE WELT

Er gaukelt und schaukelt, er trappelt und zappelt auf dem Stuhle hin und her. "Philipp, das missfällt mir sehr!"

Cigansko Oro - Zigeunertanz - nennt sich das einleitende Instumentalstück. Die Melodie verdanken wir der Berliner Gruppe Kasbek, die sie bei mazedonischen Hochzeitsmusikern aus der Stadt Stip hörte.
Tupendik (Melodie von Claudia) ist Teil der Zappel-Philipp Geschichte aus der jiddischen Übersetzung des bekannten Struwwelpeter Buches. In der jiddischen Übersetzung von Charles Nydorf und Elinor Robinson heisst der Struwwelpeter Pinje Schtrojkop und der Zappel-Philipp Zapl-Fajwisch.
Das Verhalten des Jungen bezeichnet man heute als Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS. Anders interpretiert unser Sänger Hardy den Text, denn er empfiehlt, man solle "immer schön unartig sein".

Tupendik, schtupndik, er drejt sich, zeschprejt sich ojfn benkl, ´hin un ´her. "Fajwl, ss´ergert mich doch sejer!"

2 Gendselech
Text und Musik: traditionell
· Arrangement: Koch

Eine trotzige junge und schöne Gänsehirtin verweigert sich heiratstechnisch einem uralten und reichen Geldsack mit Immobilienbesitz.

Jüdische Mädchen wurden häufig schon sehr früh verheiratet. Oft mit einem gleichaltrigen Knaben. Mitunter jedoch auch mit einem sehr viel älteren Mann. Mitgift und Aussteuer waren entscheidender als echte Zuneigung. Auflehnung dagegen bedeutete zumindest starke Konflikte, so dass der Erfolg der Weigerung des Mädchens aus dem Lied zweifelhaft ist.
Die Quelle des Liedes, eine Liedersammlung aus den 1980er Jahren, trägt zu Recht den Titel "Die schönsten jiddischen Liebeslieder".

Dort bajm tajchl, nit wajt fun dem schtetl,
paschet di gendselech a mejdele gor schejn,
di ojglech glanzn, ojf lipelech a schmejchl,
singt si a lidele ojf ahejm zu gejn:

Haila, haila, haila, haila,
lojft-ssche gendselech ahejm, ahejm, ahejm!

Der alter goner, er meg afile plazn!
Wel ich im nit nemen, nejn un nejn un nejn.
Woss tojgn mir sajne rajche palazn?
As ich bin noch asoj jung un schejn...

tajchl - Fluss, Strom; paschen - weiden; schmejchl - lächeln; ahejm - nach Hause; goner - Ganter (Gänserich); afile - sogar; palazn - Paläste; asoj - so

3 Ich der trubadur
Text: Itzik Manger (1901-1969) · Musik: Claudia Koch · Arrangement: Koch

Selbstportrait eines ruhelosen Dichters und Sängers. Resümee, Ausblick und Momentaufnahme zugleich.

Als der jiddische Poet Itzik Manger 1969 in Israel starb, folgten seinem Sarg neben dem Staatspräsidenten auch tausende Menschen. "Glanzvoller ist kein Vagabund beerdigt worden", schreibt Alfred Kittner in seinen Erinnerungen. "Prinz der jiddischen Ballade" oder auch "Chagall der Worte" wurde er genannt.

Ich der trubadur, der wint un di hur,
mir schtejen bajm tunkelen nacht-lamtern
un winken mit rojte tichlen: adie,
du undser schlimasl, undser schtern!
Mir gejen ojf tomed awek fun danen,
noch ejder der korn is zajtik geworn,
noch ejder di blumen weln farwjanen.

Ich der trubadur, der wint un di hur,
mir hobn di schejnkajt in keler gebojrn.
Izt schtejen mir ale farmatert un mid
fun ejgenem guf, fun di schtern, dem lid
awek zu di tunkele tojern,
noch ejder der korn is zajtik geworn,
noch ejder der hober is zajtik zum schnit.

Un efscher wi schtile un blajche ikonen
in wajsse september-necht weln mir schtejn
in ajere winklen, nischt gesen un alejn,
un mit trojerike finger klapn, dermonen,
as undsere lebnss hobn farblit,
noch ejder der korn is zajtik geworn,
noch ejder der hober is zajtik zum schnit.

hur - Hure; schlimasl - Unglück; tomed - immer; korn - Roggen; zajtik - reif; farwjanen - verwelken; farmatern - ermüden; guf - Leib, Körper; efscher - vielleicht; dermonen - erinnern; hober - Hafer

4 Hejsser tartar / Sam schpilt
Musik: traditionell / Sam Musiker (1916-1964)
· Arrangement: Koch

Musikalisches Gipfeltreffen der Klesmermusik: die Musiken zweier bedeutender Klesmer-Klarinettisten treffen hier zusammen. Eingangs Naftule Brandweins Paradestück "Hejsser tartar" (auch "Hejsser tartar tanz" oder nur "Der hejsser" genannt) von einer Aufnahme vom 17. Juli 1924. Der aus einer osteuropäischen Klesmerdynastie stammende Brandwein (1889-1963) war nicht nur ein einzigartiger Klarinettist in Amerika, sondern auch eine schillernde Figur und für seine abgefahrene Bühnenshow berühmt.
Abschliessend eine Komposition des ebenso virtuosen Sam Musiker, im wahrsten Wortsinn aus einer Musikerfamilie stammend und Schwiegersohn eines weiteren berühmten Klarinettisten des vorigen Jahrhunderts: Dave Tarras.

5 Der gojrl fun aktjor
Text: Israil Bercovici (1921-1988) · Musik: traditionell · Arrangement: Reich

Spannt den Wagen an, wir ziehen los. Lasst uns Lieder singen und Geschichten erzählen, die Trost und Hoffnung bringen. Das ist das Schicksal des Schauspielers. Möge der Vorhang niemals fallen.

Der in ganz Osteuropa bekannte sowjetrussische Spielfim "Das Zigeunerlager zieht in den Himmel" besticht durch seine einzigartig schöne Musik. Ein kleines Mädchen singt im Film das Roma-Lied nane zocha. Wir verknüpften die Melodie mit Versen des Dichters, Literaturhistorikers und langjährigen Chefdramaturgen des Bukarester Jüdischen Staatstheaters Israil Bercovici. Eine Melodie und ein Text von fahrenden Völkern, die aufeinander gewartet zu haben scheinen.

Schpant dem wogn, lomir forn,
iber schtet un schtetlech
bald, ot bald, falt zu di nacht
un ss’wet wern schpetlech.

Lomir firn undser wort
in di wajtsste erter
ss’is der gojrl fun aktjor
schojn asa bascherter.

Jidn wartn ojf a lid
kegn nojt un wejen
lomir brengen sej doss lid
woss sol sej derfrejen.

Lomir brengen sej di trejsst
in a najem nign
efscher wet doss lid - wer wejsst? -
aldoss bejs basign.

Lomir wajsn sej a welt,
mit trern un gelechter,
wu ess wert zum ssof balojnt
tomed der gerechter.

Ale mol kumt on a wint
hojbt on wojen – schaln
un dekt ojf alz naje "sind"
un hejsst dem forhang faln...

Sol doss wort woss kumt fun harz
undser lid zeschaln
lomir ophitn getraj
as der forhang sol nischt faln!

erter - Orte; gojrl - Schicksal; aktjor - Schauspieler; derfrejen - erfreuen; trejsst - Trost; nign - Melodie; efscher - vielleicht; ssof - Ende; tomed - immer; sind - Sünde

6 Tscholnt
Text: Patsy Abbott · Musik: Ben Jaffe · Arrangement: Koch

Die ganze Woche freue ich mich auf den Freitag. Denn am Freitag tut man es hinein und holt es erst Sonntag wieder heraus. Davon kann ich einfach nicht genug bekommen. Wo gibt´s denn so was? Ich rede nicht von Krankheiten und es ist auch nicht das, was ihr denkt. Sondern von etwas sehr Leckerem: Mutters Tscholent Speise ...

Dieses hintersinnige Lied fanden wir auf einer amerikanischen Schallplatte mit dem bezeichnenden Titel "Yiddish songs mama never taught me". Tscholent bezeichnet eine Reihe von Gerichten der jüdischen Küche, die sich dadurch auszeichnen, dass sie auf kleinstem Feuer über viele Stunden köcheln. Die Entstehung dieser Gerichte ist durch die Sabbat Gesetze bedingt, die es untersagen, am Sabbat ein Feuer zu entfachen.
Hinter dem harmlosen Kochrezept verbirgt sich daneben eine tiefe -bewundernswert langanhaltende- zwischenmenschliche Berührung.

Me lejgt arajn on frajtik un suntik nemt men ess arojss.
Ess is gewejn a fargenign, a mechaje take grojss,
wu ken men doss gefinen- in welchn schtot in welchn hojs,
arajnzulejgn frajtik un suntik zu nemen arojss...

Ir flegt wartn far dem frajtik, wartn a ganze woch,
ich ken doss nischt fargessn, ich gedenk es noch.
Montik flejg ich waschn, dinstik flejg ich zekrazn,
mitwoch is gewejn a langer tog.
Donerschtik der kop flejg drejen bis frajtik wen ich ken sich frejen,
hert sich zu oj mentschn woss ich sog.

Mentschn kenen denken, as ich redt fun krenkn,
ober wos ich mejn is nischt ojf woss ir tracht.
Ich redt fun epess moletamim, fun dem ken men sich nit farssamen,
ich redt fun tscholnt wi majn mame hot gemacht...

arojss - heraus; fargenign - Vergnügen; mechaje - Freude; take - wirklich; gefinen - finden; zekrazn - kratzen; krenken - Krankheiten; trachtn - denken; moletam - geschmackvoll, köstlich; farssamen - vergiften; tscholnt - Schabessspeise

7 Doss rejdele
Text und Musik: Pinie Goldsten
· Arrangement: Reich

Ich kenne einen reichen Mann, der schon alles zu besitzen glaubt. Doch was taugt so ein Leben? Meine Nachbarin denkt, mich mit ihrem Geld zu sich locken zu können, doch ich sage dazu nur: das Rad dreht sich unaufhörlich weiter und schon morgen kann sich alles geändert haben und der Reichtum bei mir sein.

Doss rejdele fanden wir auf einer Schallplatte des legendären Labels Tikva Records. Pinie Goldsten und seine Partnerin Anna Rappel präsentieren sich hier "Lebedik un yiddish" und bieten "Humor From South America" mit musikalischer Unterstützung vom "Orchestra Ernesto Honigsberg".

Doss rejdele drejt sich, ess drejt sich arojf un arop.
doss rejdele drejt sich, ess drejt sich un schtelt sich nischt op.
Nechtn bisstu gor gewen a gewir
un hajnt is doss ganze farmejgn baj mir.
Wajl doss rejdele drejt sich, doss rejdele drejt sich
ess drejt sich un schtelt sich nischt op.

Ich ken a gewir er is rajch on a schir
un er hot asa kupe gelt.
Er lejbt nischt, er schtarbt nischt, er gejt nischt, er schtejt nischt,
er mejnt as er hot schojn di welt.
Nor ss’wet kumen der tog wet zu im sajn a klog
un di rod wet sich onhejbn zu drejen
woss tojgt asa lebn nor nemen nischt gebn
derfar sing ich im dem refrajn.

Men lojft un men jogt sich men schtupt un men schlogt sich
ess is a meschugene welt.
Nemt majn schchejne zipe, a wajbl a klipe,
nor si hot, wej is mir, a ssach gelt.
Si hot ambiziess, si macht proposiziess
zu blajbn mit mir gor alejn
si hejbt on derzejln kajn gelt wet nischt feln
un ich sing ir ot dem refrajn.

nechtn - gestern; gewir - reicher Mann; schir - Unmenge; kupe - Haufen; meschuge - verrückt, tollwütig; schcheine - Nachbarin; ambiziess - Ambitionen; proposiziess - Vorschläge

8 Tatess nign
Musik: Bernardo Stalman (1910-2004)
· Arrangement: Koch

Shalom ist der Titel einer Schallplatte, die wir aus Argentinien mitbrachten. Am Besten gefiel uns darauf das Stück Freilach de papa, geschrieben von Berel Stal, der mit seinem Orchester die Schallplatte eingespielt hat. Unter der Namensvariante Bernardo Stalman war er als Geigenvirtuose, Arrangeur und Filmkomponist tätig. Auch komponierte er Tangos und veröffentlichte Schallplatten mit dem berühmten Bandonionspieler Astor Piazzolla.

9 Hej zigelech
Text und Musik: Mordechaj Gebirtig (1877-1942)
· Arrangement: Koch

He ihr Ziegen, ich will euch eine Geschichte erzählen. Sie beginnt mit einem Hirten, der von einem Mädchen verzaubert wird. Der Hirte war früher sehr fröhlich, jetzt hat er keinen Blick mehr für die Herde. Am Ende sind die Tiere verwaist, der Hirte liegt am Grund des Flusses, und am Ufer weint das Mädchen.

Dieses traurige Lied wurde von einem der bedeutendsten jiddischen Dichter, dem Krakauer Mordechaj Gebirtig, geschrieben. Als Tischler hobelte er tagsüber in seiner Werkstatt und feilte ansonsten an seinen Liedern, die sich schnell verbreiteten und populär wurden. Gebirtig wurde 1942 von einem deutschen Soldaten erschossen.
Die Ziege ist ein oft auftauchendes Motiv in der jüdischen Folklore. Als Symbol von Sühne und Vergebung ist sie bereits biblisch überliefert.

Hej zigelech, kumt aher zu mir geschwind,
a schejn lidele wel ich ojfsingen ajch azind,
fun a passtechl hejbt doss lidele sich on
un a mejdele woss hot kischef im geton.

Hej zigelech, hert woss wajter is geschen,
lustik, lebedik is amol doss passtechl gewen,
hajnt wi umetik, kukt di schefelech nischt on,
benkt nochn mejdele woss hot kischef im geton.

Hej zigelech, hert fun lidele dem ssof:
Wi jessojmimlech blondsschen itzt sajne bidne schof,
tif in tajchele ligt doss passtechl noch hajnt,
un doss mejdele sizt bajm wasserl un wajnt.

azind - jetzt; passtech - Hirte; kischef - Magie, Zauberei; lebedik - lebendig, rege; amol is gewen - es war einmal; hajnt - heute; umetik - traurig, schwermütig; benk(e)n - sich sehnen; ssof - Ende; jessojmimlech - Waisenknäblein; blondsschen - (umher-)irren; bidne - arm, elend

10 Modne welt
Text und Musik: traditionell
· Arrangement: Reich

Es ist eine seltsame Welt in der es keine Wahrheit gibt und die Gerechtigkeit bankrott ist. Dabei ist die Welt paradiesisch schön und birgt für jeden Glück und Freude.

Auf einer israelischen Kassette des Sängers Henri Gerro hörten wir -eingebettet in einen Monolog mit jüdischem Humor- das Lied, das diesem Stück seinen Refrain und der CD ihren Titel gibt.
Das surrealistisch-anarchistische Lied vom Küken ist russischer Herkunft und dort sehr verbreitet. Russische Matrosen sollen es um 1920 erstmals gesungen haben. Die deutsche Nachdichtung stammt von Peter Waschinsky.

Ess is a modne welt, ess is a modne welt
nischto kajn emess derlign ekssisstirt.
Ess is a modne welt, ess is a modne welt
ess hot der jojscher in ganzn bankrotirt.
Di welt is schejn gor a ganejdn, ess is faran
fil glik un frejd far jedn ejnem umgegrejt-
ess is a modne welt, ess is a modne welt
ess hot der jojscher in ganzn bankrotirt.

Erst Küken röchelte, dann Küken köchelte-
auch Küken wollen leben.
Man hat verhaftet es und man bestrafte es-
wo ist Passport- gleich übergeben.
Kein Pass dann zahlen, sonst Folterqualen-
erst Knast dann Topf wozu Protest.
Aus Strafvollzugsanstalt kein Ton nach draussen
hallt- und weiter weiss ich nicht den Text.

modne - seltsam, komisch, merkwürdig; emess - Wahrheit; jojscher - Gerechtigkeit; ganejdn - Paradies; faran - vorhanden

11 Hob ich a por okssn
Text: traditionell · Musik: traditionell/Koch · Arrangement: Koch

Verschiedene Tiere verrichten untypisch wundersame Tätigkeiten.

Kinderlied, das in mehreren Liedersammlungen und Varianten überliefert ist. Claudia komponierte dazu eine zweite Strophenmelodie und bearbeitete es als Bassklarinettenacapella.

Hob ich a por okssn, woss sej brokn lokschn
ach wunder, iber wunder
wi di okssn brokn lokschn
doss is mir a wunder.

Hob ich a por bern, woss sej schtiber kern
ach wunder, iber wunder
wi di bern schtiber kern
doss is mir a wunder.

Hob ich a por fejgelech, woss sej bakn bejgelech
ach wunder, iber wunder
wi di fejgelech bakn bejgelech
doss is mir a wunder.

Hob ich a por ferdlech, woss sej puzn zejndelech
ach wunder, iber wunder
wi di ferdlech puzn zejndelech
doss is mir a wunder.

Hob ich a por zign, woss sej kinder wign
ach wunder, iber wunder
wi di zign kinder wign
doss is mir a wunder.

Hob ich a por hintlech, woss sej machn tintlech
ach wunder, iber wunder
wi di hintlech machn tintlech
doss is mir a wunder.

brokn - zerbröckeln; lokschn - Nudeln; bern - Bären

12 Koalamaike
Musik: traditionell · Arrangement: Koch

Zu den Standardnotensammlungen "The Compleat Klezmer" (Henry Sapoznik / Pete Sokolow) und den umfangreichen Sammlungen des russisch-jüdischen Musikethnologen Mojsche Beregowski (1892-1961) gibt es seit 2001 noch eine verbale Steigerung: "The Ultimate Klezmer" (Josh Horowitz / Wolff Kostakowsky). Unsere Koalamaike ist eine Zusammenstellung von Stücken aus dieser Sammlung. Eingeleitet wird sie jedoch von einem ukrainischen Volkslied, welches auch als Gregor-Lied mit bewegter Vergangenheit überliefert ist. Es folgen eine Kolomejke und ein rhythmisch bearbeitetes russisches Stück mit dem Namen Lizginka, was auf die geografische Herkunft der Melodie hindeutet.

13 Schnucki
Text: Rudolf Skoutajan (1898-1982)
· Musik: Hermann Leopoldi (1888-1959) · Arrangement: Koch, Reich

Hermann Leopoldi (eigentlich Hermann Kohn) wurde 1888 in Wien geboren. Früh erlernte er das Klavierspielen und hatte bereits mit 16 Jahren eine Anstellung als Klavierbegleiter. In den Folgejahren wurde er als Komponist und Klavierhumorist schnell bekannt. 1938 kam er ins Konzentrationslager, wurde aber bald freigekauft und emigrierte nach Amerika. Nach seiner Rückkehr 1947 nach Wien konnte er an die früheren Erfolge anknüpfen.
In Deutschland wurde das Lied durch den Wiener Künstler André Heller bekannt, der oft auch für den Autor gehalten wird. Seine Version von 1975 endet mit dem rätselhaften Satz: "Ein Bundesland für ein Pferd!"
Als Mitbringsel für Leopoldis Geburtsstadt studierten wir das Lied für das KlezMore Festival 2006 in Wien ein.

Minnesota, Hiawata, Manitou, der Himmelsvota,
schuf die Liebe und den Suff.
Piffalapuff, uff, uff, uff!

Ein Sioux-Indianer, ein ganz ein feiner klaaner,
sah eines Tages eine Squaw, so jung und fesch, er war ganz baff!
Er folgte ihrer Fährte, weil er sie so begehrte,
bis in das nächste Jagdrevier. Dort sprach er dann zu ihr:

"Schnucki, ach Schnucki,
fahr´n wa nach Kentucky!
In die Bar Old Shatterhand,
da spielt ne Indianerband!
Dann in die Pampas
auf zwei Flaschen Schampas.
Um halb achte geht der Zug!
Ich hab gesprochen! Hough!"

"Das ist", sprach sie drauf schnippisch,
" für so ein´ Wilden tippisch!
Ich geh doch nicht mit so ´nem Gauch
mit einer Glatze und ´nem Bauch!
Anstatt mir nachzuschleichen,
kauf lieber mir ´nen weichen,
´ nen schicken Indianerschal
und dann sag´s noch einmal:

Schnucki, ach Schnucki, ..."

"Lässt du dich nicht verführen,
dann werd ich dich skalpieren!"
sprach drauf zu ihr der rote Mann,
" weil ich das ausgezeichnet kann!
Sag ja, zum letzten Male!
Sonst wirst am Marterpfahle
gemartert du an einem Baum
bei mir in mei´m Wigwaum!

Schnucki, ach Schnucki, ..."

"Du willst mich wirklich martern?
Das sag ich meinem Vatern!
Wenn ich ihm schreib nach Iowa,
dann is er übermorgen da!
Als Häuptling der Apatschen
wird er dir eine klatschen!
Ach nein das werd` ich nicht riskiern,
lieber lass ich mich verführn!"

"Schnucki, ach Schnucki, ..."

Minnesota, Hiawota, Manitou, der Himmelsvota,
schuf die Liebe und den Suff.
Piffalapuff, jetzt hör´n wa uff!

14 Di sun
Text: Mojsche Lejb Halpern (1886-1932) · Musik: Ben Yomen (1901-1970) · Arrangement: Koch, Hermerschmidt

Die Sonne wird hinter den Bergen verschwinden und der Tag mit Stille und Trauer enden. Die Nacht umhüllt alle Sehnsüchte und die Müdigkeit erringt den Sieg.

Der Autor dieses poetischen Abendliedes Mojsche Lejb Halpern wuchs in einer traditionellen galizischen Familie auf. Um dem Wehrdienst zu entgehen emigrierte er 22-jährig nach New York und arbeitete als Autor. Sein unruhiges Leben und seine Schriften waren bestimmt von Melancholie und Schwermut, von Sehnsucht nach Geborgenheit und sozialer Gerechtigkeit. Halpern starb mit 46 Jahren an einem Herzinfarkt.

Di sun wet aruntergejn untern barg,
wet kumen di libe a schtile zu gejn.
Zum umet wos sizt ojf a goldenem schtejn
un wejnt far sich ejner alejn.

Di sun wet aruntergejn untern barg,
wet kumen di goldene pawe zu flien
un mitnemen wet si unds ale ahin,
ahin wu di benkschaft wet zien.

Di sun wet aruntergejn untern barg,
wet kumen di nacht un wet singen lju lju.
Ariber di ojgn wos faln schojn zu,
zu schlofn in ejbiker ru.

umet - Trauer, Schwermut; di goldene pawe - goldener Pfau, Symbol der jüdischen Poesie; benkschaft - Sehnsucht

Transkription der Texte und Worterklärungen:

2008 Claudia Koch, Hardy Reich, Andreas Rohde.

Inhaltsangaben und Anmerkungen:

2008 Andreas Rohde

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